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SCHURTERS SPRINT-SIEG VOR GROSSER KULISSE

von Philipp Schneider

Mehr als 15.000 Zuschauer erlebten am Wochenende die vierte Auflage des UCI Mountainbike-Weltcups presented by Shimano in Albstadt.

Nino Schurter hat nun auch die Albstadt-Lücke in seinem Palmares geschlossen. Der Schweizer Scott-Odlo-Fahrer gewann eine Sprint-Entscheidung gegen Julien Absalon (BMC Racing) auf den allerletzten Metern und jubelte nach 1:28:38 Stunden entsprechend ausgiebig über seinen 19. Weltcupsieg. Dritter wurde der Franzose Maxime Marotte, der 55 Sekunden später ins Ziel kommt.

Wie erwartet wurde das Aufeinandertreffen in Albstadt erneut zur großen Show von Nino Schurter und Julien Absalon. Der Eidgenosse und der Franzose schüttelten vor über 10000 Zuschauern in der dritten Runde die letzten Begleiter ab und machten den Sieg unter sich aus. Wie schon so oft und wie auch vergangenes Jahr in Albstadt.

Sie attackieren sich, vielleicht eher halbherzig, sie beäugen sich, eine halbe Minute vor Maxime Marotte, der auf Rang drei unterwegs ist.  

Zum Schluss wird taktiert und der zweite Franzose kommt noch mal auf 17 Sekunden heran. Doch Anfang der letzten Runde erhöht das Duo wieder das Tempo.

„Ich wollte nicht, dass Absalon noch mal angreift, deshalb habe ich ein bisschen angezogen“, so Schurter. Eine echte Attacke ist das allerdings nicht.

So biegen die Duellanten gemeinsam um die letzte Kurve.

 Als sie auf die Zielgerade kommen eröffnet Absalon den Sprint. „Das war mein Plan“, sagt Schurter. Doch der geht beinahe schief, weil er in der Kurve mit dem Hinterrad kurz weg rutscht. „Ich hatte schon kurz Angst, uh, jetzt wird’s dann knapp. Aber ich bin zufrieden, dass es geklappt hat. Solche Siege machen am meisten Spaß“, so Schurter. „Wenn ich top vorbereitet bin, kann ich auch auf so einer Strecke mit Julien mithalten und ihn schlagen.“

Es war wirklich sehr knapp und entsprechend groß war der Jubel bei Nino Schurter nach seinem 19. Weltcupsieg.

„Es war ein super Rennen und ich fühlte mich sehr gut. Bei den Attacken, die Absalon gemacht hat, musste ich nie ans Limit“, erklärt Schurter.

Der geschlagene Absalon ist ein wenig enttäuscht, dass es nicht gereicht hat. „Es war eine Gelegenheit Nino mal im Sprint zu schlagen. Ich habe am letzten Anstieg versucht wegzukommen, aber das hat nicht geklappt. Bergrunter war ich diesmal ein bisschen schneller, aber Nino ist auf der Wiese wieder ran gekommen“, kommentiert Absalon.

Maxime Marotte, der vor der letzten Runde noch auf 17 Sekunden herangekommen war, bestätigte auch in Albstadt seinen zweiten Rang von Cairns und liegt in der Gesamtwertung jetzt gleichauf mit Julien Absalon auf Rang zwei hinter dem zweifachen Saisonsieger Schurter.

Aus den deutschen Reihen gab es kaum positive Nachrichten. Manuel Fumic war nach einem Infekt nicht im Vollbesitz seiner Leistungsfähigkeit und kam nach einer guten Startphase über Rang 20 nicht hinaus.

„Ich wusste, dass ich nicht in der Top-Form bin und der zweiten, dritten Runde musste ich versuchen meinen Rhythmus zu finden und dann so gut zu fahren wie es geht. Es war zwar besser als in Cairns, aber es ist sicher noch nicht zufriedenstellend für mich“, erklärt Fumic.

Damen: Solo von Annika Langvad – Großartige Sabine Spitz

Annika Langvad  konnte in Albstadt ihren dritten Weltcupsieg in Folge eingefahren. Die EM-Zweite siegte in Abwesenheit von Jolanda Neff 1:25 Minuten vor der Schwedin Jenny Rissveds und 1:36 Minuten vor der Kanadierin Catharine Pendrel. Die EM-Dritte Sabine Spitz (Murg-Niederhof) belegte überraschend Rang vier (+2:03) vor ihrer langjährigen Rivalin Gunn-Rita Dahle-Flesjaa aus Norwegen.  Elisabeth Brandau aus Schönaich sorgte für eine weitere Überraschung. Mit Rang sieben (+3:14) knackte sie erstmals die Olympia-Norm.

In der Startrunde setzte sich die Schweizerin Linda Indergand an die Spitze des Feldes und holte einen kleinen Vorsprung heraus, den aber Annika Langvad in der ersten kompletten Runde neutralisierte.

Die Dänin schlug ein hohes Tempo an und riss eine Lücke, die sie bis zur vorletzten Runde auf über zwei Minuten ausbaute. In der Schlussrunde fuhr sie auf Sicherheit und souverän zum – saisonübergreifend – dritten Weltcupsieg in Folge.

„Ich bin extrem froh. Ich habe erwartet, dass ich heute mit Jolanda kämpfen muss. Ich wusste gar nicht, dass sie nicht startet, das hat mich überrascht. Ich habe das echt genossen. Mein Gefühl für die Strecke war sehr, sehr gut und auch ein sehr gutes Gefühl für mein Limit“, erklärte Annika Langvad.

„Ich bin extrem dankbar und genieße jede Sekunde. Im letzten Downhill habe ich schon innerlich gefeiert.“ 

Die größte Überraschung aber ist Jenny Rissveds. Die Schwedin stürzt in der ersten Phase des Rennens. „Ich glaube, ich war ein wenig gestresst von der Situation. Letztes Jahr im U23-Weltcup war das ganz anders, bei den Damen wollen alle eine gute Position“, erklärte Rissveds ihren Fahrfehler, der ihr einen Cut unterhalb des Knies bescherte.

Sie schaffte es aber ruhig zu bleiben, fuhr zwei Runden lang konservativ auf Rang sechs und bemerkte, „dass die Abstände nach vorne nicht größer wurden“. Also, habe sie gewusst, dass sich in den letzten beiden Runden noch die Chance aufs Podium eröffnen würde.

„Ich wusste, ich muss Linda Indergand überholen und als ich das dann geschafft habe, sah ich Gunn-Rita und Sabine vor mir. Das hat mich noch zusätzlich angespornt und dann war da noch Catharine...“, erzählte Rissveds so atemlos, wie auch das Rennen für sie gewesen sein muss. „Zweite beim Elite-Weltcup, ich kann es noch gar nicht glauben.“

Rissveds hatte 2015 alle U23-Weltcup-Rennen gewonnen.

Glückliche Sabine Spitz

Überaus glücklich war auch Sabine Spitz über ihren vierten Platz. Zum ersten Mal stand sie in Albstadt auf dem fünfköpfigen Weltcup-Podium. „Auf einer Strecke, die mir eigentlich nicht liegt“, wie sie wieder betonte. „Aber das Publikum ist natürlich schon ein Heimvorteil“, fügte sie grinsend hinzu.

Von Beginn war sie in der Verfolgergruppe präsent. Der vielleicht mögliche dritte Platz ging durch einen Sturz in der drittletzten Runde verloren. Dadurch verlor sie den Kontakt zu Catharine Pendrel. Beim Sturz verbogen sich die Schalthebel, so dass sie einige Sekunden liegen ließ. „Ich habe noch mal versucht an Pendrel heran zu kommen, aber es hat nicht mehr gereicht. Als Jenny von hinten kam, die war so schnell, da war nichts zu machen“, erklärte Spitz.

Sie verteidigte aber Rang vier gegenüber Gunn-Rita Dahle-Flesjaa und freute sich über das Resultat, das ihr so gut wie sicher das Olympia-Ticket brachte.

„Ich denke, da kann ich mich jetzt zurücklehnen. Nach dem Rennen bei der EM habe ich mir schon Hoffnungen gemacht, dass es auch hier gut laufen kann. Super, dass es mir bei meinem letzten Rennen hier in Albstadt noch aufs Podium gereicht hat“, so Spitz.

Elisabeth Brandau knackt die Olympia-Norm

Für eine weitere positive Überraschung aus deutscher Sicht sorgte Elisabeth Brandau. Sie fuhr mit Startnummer 33 auf den siebten Platz nach vorne. Konstant kletterte sie Position um Position nach vorne und knackte damit als vierte Deutsche die Olympia-Norm.

„Es war mental extrem hart. Ich kann es noch gar nicht fassen, der Druck war immens. Mir fällt ein riesen Stein vom Herzen“, bekannte Brandau. „Ich habe alles umgesetzt, was ich mir vorgenommen habe. Ich habe nie überzogen, erst am Schluss, als ich meine Position verteidigen musste. Ich hoffe, ich habe dem Bundestrainer gezeigt, dass er mit mir rechnen kann.“ 

Mit Helen Grobert auf Rang elf (+4:01) und Adelheid Morath auf Rang 13 (+4:35) waren zwei weitere deutsche Damen unter den Top 15 und sorgten für ein Mannschafts-Resultat, das es im Weltcup so noch nie gab.

U23 Herren: Gaze wiederholt Australien-Sieg

Der Neuseeländer Sam Gaze (Specialized Racing) hat am Sonntagmorgen das U23-Weltcuprennen gewonnen. Gaze gewann mit 37 Sekunden Vorsprung auf Weltcup-Titelverteidiger Titouan Carod aus Frankreich (Scott Creuse Oxygen) und 1:37 Minuten vor dem Schweizer Marcel Guerrini von Focus XC. Bester Deutscher war Georg Egger (Lexware Mountainbike Team) auf Platz sieben (+3:52).

Sam Gaze und Titouan Carod wollten der Konkurrenz den Spaß einer größeren Spitzengruppe nicht gönnen und setzten sich bereits in der verkürzten Start-Runde von der Konkurrenz ab.

„Das war der Plan“, nickte Gaze später im Ziel. „Früh Gas geben und dann meinen Stil durchziehen.“ Bis zur vorletzten Runde blieb das Duo zusammen und baute die Führung aus. Dann setzte der Neuseeländer eine „Monster-Attacke“, wie es Carod beschrieb und fuhr seinem zweiten U23-Weltcupsieg entgegen.

„Ich habe mich super gefühlt, zur Zeit läuft alles nach Plan und der Marathon in Singen war eine super Vorbereitung“, erklärte Gaze.

Der U23-EM-Dritte Marcel Guerrini konnte Gaze und Carod bei ihrer Attacke nicht folgen, weil er mit Startnummer 21 noch nicht in der Position war. „Ich bin dann mein Tempo gefahren und habe im Duell mit Romain Seigle gemerkt, dass er im Downhill verliert“, erklärt Guerrini.

Das bringt  ihm letztlich den entscheidenden Vorteil auf dem Weg zu seinem ersten Weltcup-Podest.

Der Deutsche Meister Georg Egger aus Obergessertshausen gelingt mit Rang sieben sein bisher bestes U23-Weltcup-Resultat. „Das Intervall-Training hat gezündet“, freute er sich. „Am Anfang lief es nicht so gut, aber dann ging es immer besser. Vor der Schlussrunde habe ich mich mental noch mal gesammelt und es hat geklappt.“

Egger setzte sich in seiner sechsköpfigen Gruppe durch und überquerte als Siebter die Ziellinie. 

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