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Ronja Eibl: In Albstadt will ich aufs
 Podest


von Stephan Salscheider

Mercedes-Benz UCI Mountain Bike World Cup in Albstadt

Ronja Eibl: In Albstadt will ich aufs Podest

Sie ist im vergangenen Jahr im Eilzug-Tempo zu einer Hoffnungsträgerin im deutschen Mountainbike-Sport gereift. Ronja Eibl ist nicht nur WM-Silbermedaillengewinnerin mit der Staffel und Deutsche U23-Meisterin, sondern sie ist beim Mercedes-Benz UCI Mountainbike Weltcup in Albstadt auch noch die Lokalmatadorin. Zwischen Trainingslager auf Gran Canaria und Abiturs-Vorbereitungen nahm sich die Botschafterin für die WM 2020 Zeit, um einige Fragen zu beantworten.

Was macht Ronja Eibl zu einer Hoffnungsträgerin? Mit solchen Zuschreibungen sollte man vorsichtig sein, doch nach dieser spektakulären Runde bei der WM in Lenzerheide, als sie nicht nur die da noch amtierende (Elite-)Weltmeisterin Jolanda Neff überholte, sondern auch die beste Zeit aller Damen fabrizierte, konnte sie nicht mehr unterm Radar fliegen.

Im ersten U23-Jahr gelang ihr zudem gleich der Sprung aufs Podest und das Talent von der RSG Zollernalb gewann mit zwei Siegen als jüngste Fahrerin aller Zeiten die Elite-Bundesliga-Gesamtwertung.

Ronja, hätten Sie damit gerechnet, im ersten U23-Jahr gleich so durchstarten zu können?

Ronja Eibl: Nein. Ich wusste ja gar nicht, wo ich mich einsortieren soll. Klar, man überlegt schon und vergleicht sich mit denen, die ein Jahr zuvor von den Juniorinnen aufgerückt sind, aber das ist alles vage. Deshalb habe ich auch längst nicht so viel erwartet. Umso mehr habe ich mich natürlich gefreut, dass es so gut lief.

Haben Sie denn von 2017 auf 2018 das Trainingspensum gesteigert oder woher kam der Leistungsschub?

Ich würde schon sagen, dass ich einen Leistungssprung gemacht habe. Bei Tests kann man das schon sehen, obwohl, ehrlich gesagt, für mich nicht so aussagekräftig ist. Aber ich habe mir im jüngsten Jahrgang auch weniger Druck gemacht und musste nicht so viel von mir erwarten. Ich denke, das hat auch geholfen. Ansonsten haben wir deutlich mehr Grundlagentraining gemacht, weil es darum ging sich an die längere Renndistanz anzupassen. Dadurch habe ich dann auch das Laktat nicht mehr so weit nach oben bekommen.

Sie sprechen von Erwartungen. Welche hatten Sie denn für 2018?

Ich hatte schon konkrete Ziele vor Augen, die muss man ja auch haben. Mit dem BDR (Bund Deutscher Radfahrer) macht man eine Zielvereinbarung. Die habe ich aber nie abgegeben (lacht). Es ist immer was dazwischengekommen und dann habe ich sie vergessen. Neulich habe ich sie wiedergefunden. Ich muss sagen, da habe ich mich sehr unterschätzt (lacht).

Und für 2019?

Klar, jetzt würde ich (im U23-Weltcup) schon gerne konstant in die Top Fünf fahren und jeweils das Weltcup-Podest anstreben. Gleiches gilt für die EM und die WM und meinen Deutschen Meistertitel in der U23 verteidigen. Das sind hoch gesteckte Ziele, aber sie sind nicht unmöglich zu erreichen. Ich brauche den Ansporn. Aber schauen wir mal, es muss auch nicht unbedingt alles klappen.

Das Ziel konstant in die Top Fünf der U23 zu fahren, hat Ronja Eibl übrigens schon 2018 erreicht. Vier Starts, einmal Fünfte, einmal Vierte und einmal Dritte, auch bei der WM wurde sie Vierte. Ausgerechnet beim Heim-Weltcup in Albstadt hat es nicht geklappt. Da machte ihr auf dem Weg zu Platz drei ein Defekt an der Schaltung einen Strich durch die Rechnung. Der Clou der Saison war allerdings WM-Silber mit der Staffel und das einer sensationellen Zeit auf ihrer Runde, die auch die internationale Fachwelt ins Staunen brachte.

Ausgerechnet beim Heimweltcup in Albstadt hatten Sie 2018 eines Ihrer wenigen Negativerlebnisse.

Ja, das war arg frustrierend. Ich habe so auf dieses Rennen hin gefiebert. Es waren so viele Leute wegen mir gekommen, ich war sehr aufgeregt es lief es so gut und dann passiert so was. Und es lag noch nicht mal an mir.

Die andere Seite der Medaille Spitzensport, diese bemerkenswert schnelle Runde beim WM-Staffelrennen in Lenzerheide, hat die Sie für das Einzelrennen unter Druck gesetzt?

Puhh, nee, eigentlich nicht. Klar habe ich mich gefreut, aber es hat mir vor allem mehr Sicherheit gegeben. Vor Meisterschaften mache ich mir meistens viele Gedanken.

Seit Schülertagen wird Ronja Eibl von Bernhard Mast-Sindlinger betreut und trainiert. Der Vereins-Coach der RSG Zollernalb beschreibt Ronja Eibl als ehrgeizig und im Training enorm akkurat und äußerst fleißig. Sie würde eher mehr als zu wenig trainieren, sagt Mast-Sindlinger und Eibl habe ihn scherzhaft schon „meine Bremse“ genannt. Für einen Trainer sei eine Sportlerin wie Ronja Eibl „genial“. Dass sie hohe Erwartungen an sich selbst hat, das könne ihr manchmal im Weg stehen.  „Sie besitzt Wesenszüge einer Sportlerin, die du vermutlich brauchst, um einmal ganz oben zu stehen.“

Gerade bei nationalen und internationalen Titelkämpfen ging bei Ihnen in der Vergangenheit häufiger auch was schief.

Ja. Krankheiten, Defekte, Stürze. Ich weiß nicht ob man das so pauschal auf Meisterschaften zurückführen kann. Vielleicht war es auch blöder Zufall, aber mein Trainer meint schon, dass ich mich da oft zu sehr unter Druck setze.

Und das haben Sie jetzt besser im Griff?

Ich habe zumindest gelernt nicht voll in Panik zu geraten, wenn in der Vorbereitung was nicht so läuft wie ich mir das vorgestellt habe. Aus Erfahrungen wie zum Beispiel in Haiming im Jahr zuvor. Da lief am Tag vorher alles schief und das Rennen war trotzdem gut. Gelassen zu sein bringt einfach mehr.

Sind Sie generell ein Typ, der sich viele Gedanken macht?

Im Nachhinein eher nicht, mehr vorher. Vor allem im Frühjahr mache ich mir viele Gedanken. Auch jetzt. Andere sind schon früher Rennen gefahren und ich stelle mir vor, ob ich mithalten kann.

Ronja Eibl ist Schülerin des Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasiums in Balingen. Bis Anfang April ist Prüfungszeit. Was danach kommt, weiß sie noch nicht ganz genau. Zur Fortsetzung ihrer MTB-Karriere denkt sie darüber nach, sich um einen Platz in der Sportfördergruppe der Bundeswehr bewerben.

Sie haben sich jetzt erst mal mit den Abiturs-Prüfungen zu beschäftigen.

Ja, aber ich denke, das bekomme ich hin (lacht). Von den ersten Rennen erwarte allerdings erst mal noch nicht so viel. Trainingstechnisch habe ich bis jetzt noch nicht zurückstecken müssen, aber ich vermute, dass ich vom Kopf her noch hinterherhinke.

Das wird oft unterschätzt.

Ja, aber dann kommen die Osterferien und ich habe dann Abstand. Bis zum Weltcup in Albstadt bleibt noch genügend Zeit.

Stichwort: Mercedes-Benz UCI Mountainbike World Cup in Albstadt. Was nehmen Sie sich für den 19. Mai vor?

Ich will auf jeden Fall keinen Defekt haben und aufs Podest fahren. Vom Profil her liegt mir die Strecke und ich habe Heimvorteil, auch wenn ich gar nicht oft drauf trainiere.

Gibt es bei Ihnen auch so was wie Vorfreude auf die WM 2020 in Albstadt?

Ja, das kommt immer mal wieder auf. Ich freue mich, dass ich die WM als Heimrennen fahren kann. Wer kann das schon? Es wäre schon schön da ein sehr gutes Ergebnis einzufahren, vielleicht sogar um den (U23-) Titel mitzufahren. Ich denke, dass ich mich auch anders darauf vorbereiten werde. Meist dümple ich am Anfang vom Jahr noch so vor mich hin (lacht), da wird dann anders trainiert.

Im vorigen Jahr hat Ronja Eibl am Ende der Saison in Freudenstadt und in Titisee-Neustadt zwei Bundesliga-Rennen gewonnen. Dabei ließ sie auch die Deutsche Elite-Meisterin und Fünfte des Weltcups von Albstadt, Elisabeth Brandau hinter sich. Spätestens das eröffnete für Experten und auch Bundestrainer Peter Schaupp das Gedankenspiel, dass Ronja Eibl eine Kandidatin für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio werden könnte. Augenblicklich geht es für die deutschen Damen darum möglichst genügend Punkte zu sammeln, um einen zweiten Startplatz zu ergattern.  

2020 ist auch das Olympiajahr. Sie werden schon als eine von mehreren Kandidatinnen gehandelt. Ist das ein Thema für Sie?

Ja, schon. Der Bundestrainer hat mich auch schon drauf angesprochen. Es geht ja erst mal drum, dass wir zwei Startplätze einfahren. Es wäre schon cool, wenn ich die Erfahrung machen könnte, das bringt ja auch was für die Zukunft. Aber ehrlich gesagt, kenne ich die Kriterien für mich als U23-Fahrerin gar nicht.

Sie haben im September Elisabeth Brandau zweimal geschlagen.

Bundesliga-Rennen sollte man in dem Zusammenhang nicht allzu hoch bewerten. Ich kann sehr schnell sein, wenn es um einen Höhepunkt geht, aber ich weiß, dass Lisa (Brandau) und Adel (Morath) auch super schnell sein können. Von der Elite bin ich noch ein ganzes Stück weg.

Mit Beginn dieses Jahres sind Sie vom lokalen Team Gonso-Simplon zum Profi-Team Corendon-Circus gewechselt. Werden Sie da nicht im Schatten

des niederländischen Superstars Mathieu van der Poel stehen?

Ich denke, das hat für mich hauptsächlich Vorteile. Wenn sich der Fokus zu 90 Prozent auf eine Person bezieht, kann ich im Hintergrund mein Ding machen. Im ersten Jahr in einem Profi-Team ist das sicher gut für mich. Ich bin aber sehr gespannt wie das alles laufen wird.

Sie haben sich ja auch als Botschafterin für die WM 2020 zur Verfügung gestellt. Mögen Sie das, im Fokus zu stehen?

Das kann ich gar nicht beantworten. Ich stand ja noch nie so richtig intensiv im Fokus. Vielleicht würde ich mich daran gewöhnen, aber es kann sicher auch nerven.

Dann hoffen wir mal, dass wir Sie nicht zu sehr genervt haben und bedanken uns für das Gespräch.

Das Interview mit Ronja Eibl, U-23 MTB-Fahrerin und Botschafterin für die WM in Albstadt, führte Erhard Goller, Sportlicher Pressesprecher für WM und World Cup.

Mehr Informationen finden Sie auf www.world-cup-albstadt.de.

Tickets gibt es bei der Tourist-Information Albstadt, Tel.: 07431  160-1204 und unter www.reservix.de sowie bei allen weiteren Vorverkaufsstellen.

 

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